Lebensreise

Mobbing – was tun?

Das Kind sitzt am Frühstückstisch und mag nichts essen. Es habe Bauchweh. Schon seit Tagen, immer morgens vor Schulbeginn. Es ist körperlich gesund, am Nachmittag fröhlich, hat gute Noten und viele Freunde. Die Kollegin spricht kaum noch, zieht sich zurück, kann sich nicht mehr konzentrieren. Jetzt ist sie krank.

Zwei völlig unterschiedliche Geschichten, und doch dieselbe.

Beide begegnen in ihrem Alltag Menschen die Unbehagen verursachen. Die verletzen und verunsichern. Und beide haben das Gefühl dem ohnmächtig ausgeliefert, hilflos und bedroht zu sein.

Meist ist es ein schleichender Prozess, zu Beginn kaum klar greifbar. Vermeintliche Kleinigkeiten, abwertende Blicke, fiese Bemerkungen, Kommunikationsverweigerung oder, besonders im Schulalltag, auch „versehentliches“ anrempeln. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Allen gemeinsam ist, dass sie zu Beginn als Einzelereignis nicht zwingend als Angriff erkennbar sind. Nicht jeder Blick, nicht jede Bemerkung oder Verhaltensweise wirkt auf jede Person gleich. Was der Eine verwundert zur Kenntnis nimmt beschert dem Anderen eine schlaflose Nacht.

Wer sich in diesem Anfangsstadium zu wehren weiß, klare Grenzen setzt und selbstbewußt auftritt hat den Vorfall meist schnell wieder vergessen.

Doch wer sich getroffen zeigt, verletzt oder mit Anpassung reagiert, findet sich schnell in einem Alptraum wieder. Plötzlich ist alles anders als zuvor, alles wirkt falsch, erste Selbstzweifel schleichen sich ein. Auch andere Personen in der näheren Umgebung können nun beginnen ihr Verhalten zu verändern, abweisend oder in sonstiger Weise verletzend agieren.

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Mobbingtagebuch*

Natürlich entwickelt sich nicht aus jedem Konflikt, nicht aus jeder Ablehnung oder Rempelei eine Mobbingproblematik. Oft lassen sich zugrunde liegende Probleme schnell und einfach definieren und lösen.

Entsteht allerdings über einen längeren Zeitraum ein immer spürbareres Ungleichgewicht zwischen den handelnden Personen, wird gezielt ausgegrenzt und gequält, gilt es Maßnahmen zu ergreifen. Denn während auf der einen Seite Ablehnung, Machtgefühl und Überlegenheit wächst, wird die Andere von zunehmender Anspannung, Hilflosigkeit oder Angst geplagt.

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Das Selbstwertgefühl schrumpft, das eigene Verhalten verändert sich immer mehr. Sozialer Rückzug, offene Verzweiflung oder körperliche Beschwerden werden nun zwar von außen wahrgenommen, die Grenzen zwischen Ursache und Wirkung verschwimmen jedoch oft. Wird die Kollegin gemieden weil sie ständig weint? Weint sie, weil keiner mit ihr sprechen mag?

Ein Teufelskreis, dem zu entkommen viel Kraft, eine klare Strategie und meist auch Hilfe von außen erfordert.

Schritt 1 – Bestandsaufnahme

Es lohnt sich, mit einem sachlichen Blick auf die Situation zu beginnen. Wer hat was, wann, warum in welcher Form gesagt oder getan. Wer war dabei und hat sich wie verhalten. Ganz wesentlich ist dabei der Blick auf sich selbst. Wie habe ich mich in der jeweiligen Situation verhalten. Handelt es sich tatsächlich um Mobbing oder „nur“ um einen Konflikt?

Der Aufschrei „Halt! Stopp! Die Anderen sind die Bösewichte“ drängt sich auf. Doch ganz so einfach ist das mit dem menschlichen Sozialgefüge nicht. Wir alle interagieren, jeder nimmt jeden auf seine Weise wahr, interpretiert und reagiert verschieden oder zieht unterschiedliche Schlüsse.

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Alles was wir tun, ruft eine Reaktion hervor. Unsicherheit, Vermeidung oder Angst verstärken oft das verletzende Verhalten, wohingegen sicheres Auftreten, ein aktiv gesuchtes Gespräch oder eine selbstbewußte Körperhaltung das Gegenteil bewirken können. So schmerzhaft es auch sein mag, je besser es gelingt das eigene Verhalten zu reflektieren und je sachlicher und umfassender die Bestandsaufnahme insgesamt erfolgt, um so besser lassen sich passende Handlungsstrategien entwickeln.

Tipp: von einer Vertrauensperson unterstützen lassen. Gute Freunde oder Familienmitglieder die uns schon lange kennen sind meist gern bereit zu helfen.

Schritt 2 – Handlungsstrategien erarbeiten

Das Unangenehme vorweg: Nicht jede Strategie, nicht jede Empfehlung führt zum Erfolg. Wer sich auf den Weg begibt ein Mobbing-Problem zu lösen muss mit Rückschlägen rechnen.

Die gute Nachricht ist: es gibt eine fast unendliche Anzahl an Möglichkeiten. Wer zum Thema Mobbing recherchiert findet Empfehlungen aller Art. Jetzt gilt es aus der Vielfalt den passenden Lösungsansatz zu finden.

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Dabei ist es durchaus in Ordnung sich von all den Empfehlungen inspirieren und/oder von einer Vertrauensperson helfen zu lassen. Die Umsetzung sollte sich möglichst eng am Ergebnis der vorherigen Bestandsaufnahme orientieren. Es lohnt sich auf die Auswahl der persönlichen Strategie etwas Zeit zu verwenden, denn je besser die gewählen Maßnahmen zu Persönlichkeit und Problemsituation passen, um so größer ist die Aussicht auf Erfolg.

Dokumentieren

Eine sachliche und umfassende Dokumentation aller Vorfälle ist aufwändig und emotional anstrengend. Als Grundlage für Gespräche ist es aber unverzichtbar so konkret wie möglich zu argumentieren. Aussenstehende wie Lehrer, Vorgesetzte, Mitschüler oder Kollegen können sich anhand der Dokumentationen ein besseres Bild machen, besser verstehen und zielgenauer unterstützen. Darüber hinaus hilft die langfristige Aufzeichnung selbst kleine Veränderungen sichtbar zu machen.

Selbstwertgefühl stärken

Eine unmittelbare Folge von Mobbing ist in aller Regel ein zerstörtes Selbstbewußtsein. Die Möglichkeiten dieses wieder zu stärken sind vielfältig und reichen vom Gespräch mit Freunden über sportliche Betätigung bis hin zu therapeutischer Unterstützung. Was passt und funktioniert ist individuell verschieden. Wichtig ist, überhaupt etwas zu unternehmen und wieder persönliche Stärke zu finden.

Körpergefühl entwickeln

Nicht umsonst heißt es „Körpersprache“. Unsere Haltung drückt aus, was wir empfinden. Sind wir gekrümmt und halten den Kopf gesenkt senden wir ein Signal der Schwäche an unser Gegenüber. Bewußt auf die Haltung zu achten, sich gerade hinzustellen und den Kopf anzuheben lässt sich vor dem heimischen Spiegel üben. Am Tag mehrmals den Timer stellen mit dem Hinweis „gerade hinstellen“. So wird die neue Haltung langsam zu neuer Gewohnheit.

Gründe für Mobbing erkennen

Manchmal hilft schon der genaue Blick auf die Person die verletzt und die Frage nach deren Gründen um eine Mobbing-Situation aufzulösen. Welche eigenen Probleme kompensiert das Schulkind, indem es andere quält? Was könnten die Beweggründe der Kollegen sein? Oft finden sich bei näherer Betrachtung einfache Ursachen. Neid, persönliche oder kommunikative Probleme, Unsicherheit… es ist gut Klarheit zu gewinnen. Die Empfindungen beider Seiten zu berücksichtigen kann die Chance auf nachhaltigen Frieden auf Basis von Toleranz und gegenseitigem Verständnis schaffen.

Verbündete suchen

Freunde, Kollegen, Mitschüler oder auch der Therapeut sind unverzichtbar auf dem Weg aus der Mobbing-Falle. Wir benötigen Menschen denen wir vertrauen, die uns unterstützen, sachlich bleiben wenn wir emotional angegriffen sind und uns bei der Auswahl der passenden Maßnahmen beraten.

Alternativen suchen

Manchmal ist die Situation so festgefahren, dass es sich lohnt über einen Schul- oder Arbeitsplatzwechsel nachzudenken. Ein Schritt, der gut überlegt sein will, denn auch in der neuen Klasse, im neuen Team wird Kommunikation nicht immer konfliktfrei möglich sein. Zur Entscheidungsfindung für oder gegen einen Wechsel ist es hilfreich über mehrere Tage hinweg alle Gedanken zum Thema in eine „dafür“ und „dagegen“ Liste einzutragen.

Natürlich gibt es darüber hinaus noch unzählige Möglichkeiten. Entscheidend ist es sich zu wehren, aktiv nach Lösungen zu suchen und Hilfe anzunehmen.

Das Kind trainiert jetzt in einem Sportverein, hat den Schrank voller Pokale, ist stolz auf seine Erfolge, strahlt Selbstbewußtsein und Stärke aus. Es hat gelernt Grenzen zu setzen. Den einst Bauchweh verursachenden Mitschülern tritt es jetzt gelassen und angstfrei gegenüber.

Die Kollegin hat gelernt sich bewußt zu entspannen und öfter mal „nein“ zu sagen. Sie hat sich eine Liste angelegt auf der alle bisherigen Erfolge ihres Lebens festgehalten sind. Wird sie doch einmal unsicher nimmt sie diese zur Hand. Dann weiß sie wieder was sie kann, was sie schon erreicht hat, wie stark sie ist.


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Autor

Hallo, ich bin Katrin. Ich lebe am Meer und fühle mich mit den Füßen im Sand am Wohlsten. Rauschende Wellen, Wind, das wunderbare Licht und die über dem Wasser ziehenden Wolken begeistern mich immer aufs Neue. Ich liebe das Leben so wie es ist. Mein immer wiederkehrendes Fernweh kuriere ich erfolgreich durch Kofferpacken.