Polen

Rewal – kleine Perle am Ostseestrand

Rewal Strandblick

Zwischen den bekannten Ostseebädern Misdroy und Kolberg liegt der kleine und nur wenig bekannte Ferienort Rewal. Im Vergleich zu seinen großen Schwestern geht es hier beschaulich zu. Gewohnt wird in kleinen Hotels und Pensionen die sich in die gewachsene Ortsstruktur einkuscheln.

Weder große Hotelbauten noch unübersehbare Appartmentanlagen verschandeln den Küstenstreifen. Touristisch vollerschlossen ist der Ort dennoch.

Hauptattraktion ist, wie in allen Ostseebädern, der

Strand von Rewal

Natürlich ist er hier so breit, flach abfallend und feinsandig wie an der gesamten polnischen Ostseeküste. Doch anders als in den großen Seebädern teilen sich in Rewal Fischer und Feriengäste den Zugang zum Meer.

Strandimpression Rewal
Strandimpression

Die bunten Fischerboote finden sich entlang der gesamten Küstenlinie. An kühlen Tagen stellen Sonnenhungrige ihre Liegestühle in den Windschatten der Boote.

Brautpaare kommen zum Strand und lassen ihre Hochzeitsbilder vor der romantischen Kulisse von Meer und Boot knipsen, umringt von Touristen die sich der Faszination des Moments nicht entziehen können.

Den frischen Fisch kann man überall im Ort genießen.

Je nach Lust und Laune gleich in der Räucherhütte hinter dem Bootsliegeplatz, in den wie Vogelnester an der Steilküste klebenden Restaurants oder windgeschützt in den Gaststätten entlang der Touristenmeile.

Strandrestaurant
Strandrestaurant in Rewal

Die mündet in die große

Aussichtsplattform

Von hier aus erlebt man einen wunderbaren Blick über das Meer. Wer morgens früh auf den Beinen ist macht herrliche Strandfotos und genießt die Ruhe im Ort. Tagsüber ist es etwas schwieriger im allgemeinen Gedränge einen guten Platz für ein Foto zu finden, für den perfekten Schnappschuss vom Sonnenuntergang muss man rechtzeitig seinen Claim sichern.

Blick von der Plattform in Rewal
Abendstimmung auf der Plattform

Das Geländer hängt voller Liebesschlösser, die bei schönem Wetter in der Sonne glänzen. Von hier aus wandern wir auf dem Hochweg entlang der Steilküste hinüber zur

Kirchenruine von Trzesacz

Nur ein winziges Mauerstück ist von der alten Kirche noch zu sehen, gut geschützt vor den Fluten des Meeres durch eine massive Befestigung unterhalb der Ruine. Ein Modell der Kirche und die Skulptur der kleinen Meerjungfrau erzählen die Geschichte der Kirche und ihres Verschwindens.

Meerjungfrau in Trzesacz

Eines Tages verfing sich eine Meerjungfrau in den Netzen der Fischer. Statt das Mädchen zurück ins Meer zu setzen brachten sie ihren „Fang“ mit an Land und übergaben sie dem Pastor.

Der hatte nur wenig Erbarmen mit der traurig um Freilassung bittenden Meermaid. Er hatte sich in den Kopf gesetzt eine gläubige Christin aus ihr zu machen, doch die kleine Meerjungfrau verzweifelte über ihre Gefangenschaft und starb.

Der Meeresgott wurde sehr zornig und ließ einen großen Sturm aufziehen der gegen das Ufer schlug und große Teile der Küste abbrach.

Noch merkte niemand was geschah, doch als immer wieder Stürme das Land vor der Kirche fortspülten erinnerten sich die Bewohner an ihre Missetat. Jetzt waren sie es die um Erbarmen flehten, doch es nützte nichts. Das Meer holte sich erst den Friedhof und dann die Kirche.

Kirchruine von Trzesacz
Kirchruine

Heute wirkt die letzte verbliebene Mauer ruhig und idyllisch. Cafés und Restaurants wechseln sich rund um die Ruine mit Souveniergeschäften ab. Nur wenige Meter weiter wird im

Multimediamuseum auf der Klippe

die Geschichte der kleinen Meerjungfrau erzählt. Die Erosion der Küstenlinie, ihre Ursachen und Folgen sowie die ergriffenen Küstenschutzmaßnahmen werden gut erklärt.

Auch die reale Geschichte von Rewal und den umliegenden Gemeinden hat ihren Platz in der Ausstellung und die Bedeutung des durch Hoff (dt. für Trzesacz) verlaufenden 15. Meridians wird ebenfalls anschaulich dargestellt. Der sogenannte Mittagsmeridian ist der Längengrad, an dem die Sonne um 12.00 Mittags direkt im Zenit steht.

Strandtreppe in Trzesacz
Strandtreppe und Aussichtsplattform

Nach so viel Information endlich wieder an der Luft schlendern wir über die Aussichtsplattform vor der Kirchruine, klettern über die große Treppe hinunter zum Strand und spazieren mit den Füßen im plätschernden Meer zurück nach Rewal. Nach einer kurzen Pause geht es weiter zum

Leuchtturm Niechorze

Der Weg entlang des Strandes ist zu weit für einen Spaziergang, besser erreicht man den Leuchtturm mit dem Fahrrad über den Küstenweg.

Leuchtturm Niechorze
Leuchtturm Niechorze

Das beeindruckende Bauwerk ist schon von weitem zu sehen. Wer kann, sucht sich für den Besuch einen klaren Tag aus.

Für die 208 Stufen auf der engen Wendeltreppe ist ein bisschen Kondition erforderlich, der Blick über Land und Meer ist den Aufstieg aber auf jeden Fall wert.

Am Fuß des Leuchtturms kann man sich im Schmetterlingszelt von bunten Faltern umflattern lassen oder im Wachsfigurenkabinett gleich neben dem Parkplatz Prominente aus der Nähe betrachten.

Nur ein paar Schritte entfernt liegt der

Miniaturpark

Auf einem verschlungenen Spazierweg passiert man alle an der polnischen Ostsee befindlichen Leuchttürme. Exakt im Maßstab 1:10 sind sie nachgebildet. So dicht an einem Ort sind die unterschiedlichen Bauweisen gut zu erkennen. Große Höhen und winzige Türmchen, unscheinbare Gebäude oder wuchtige Umbauten hoher Türme… Leuchtturmarchitektur kann durchaus spannend sein. Selbst Türme deren Original längst abgerissen und verschwunden ist haben hier noch einen Platz gefunden.

Miniaturpark Niechorze
Miniaturpark

Zurück in Rewal schlendern wir die Hauptstraße hinunter. Im Kellergeschoss eines Hotels wartet ein kleines „Ozeaneum“ auf Gäste. Auf dem winzigen Jahrmarkt mittig der Meile tummeln sich Jugendliche an Flipper- und Airhockeygeräten, Kleinkinder quietschen vergnügt auf 1-Kind-Karussels und in den Restaurants sitzen entspannte Gäste vor bunten Drinks und beobachten das lustige Treiben.

Wir verabschieden uns von Rewal mit einem letzten Blick über den Strand und das mystisch im Seerauch verschwindende Meer.

Seerauch vor Rewal
Seerauch

zum Weiterlesen:

Dzwirzyno – Meeresrauschen im Dünenwald

Autor

Hallo, ich bin Katrin. Ich lebe am Meer und fühle mich mit den Füßen im Sand am Wohlsten. Rauschende Wellen, Wind, das wunderbare Licht und die über dem Wasser ziehenden Wolken begeistern mich immer aufs Neue. Ich liebe das Leben so wie es ist. Mein immer wiederkehrendes Fernweh kuriere ich erfolgreich durch Kofferpacken.